Elektromobilitätskonzept der Landeshauptstadt Wiesbaden

Letzte Aktualisierung am: 27.11.2018

Im Projekt „Elektromobilitätskonzept“ werden insgesamt sieben Bausteine entwickelt. Als zentraler Baustein wird ein Ladeinfrastrukturkonzept für die Landeshauptstadt Wiesbaden erarbeitet, das an dem prognostizierten Bedarf der nächsten fünf bis 15 Jahre ausgerichtet sein soll. Die weiteren Bausteine sind ein Grundkonzept, die Bürgerbeteiligung, ein einheitliches und transparentes Antrags- und Genehmigungsverfahren für Betreiber von Ladeinfrastruktur, Maßnahmen zur Privilegierung von Elektrofahrzeugen, Überprüfung der kommunalen Stellplatzsatzung und der Möglichkeit in Bebauungsplanverfahren Elektromobilität zu fördern. Im zu erstellenden Elektromobilitätskonzept werden die aktuellen technischen Möglichkeiten und die zukünftigen Entwicklungen Berücksichtigung finden.
Mit dem Elektromobilitätskonzept will die Landeshauptstadt Wiesbaden einen Beitrag zu der Zielsetzung der Bundesregierung leisten, dass im Jahr 2020ff. eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren.
Es werden folgende Ziele verfolgt:

  • Beitrag zu den Klimaschutzzielen der LH Wiesbaden
  • Minderung der Lärm- und Schadstoffemissionen, insbesondere der NO2-Emissionen
  • Umdenken der Wiesbadener Bürgerschaft in Richtung nachhaltige Mobilität
  • bedarfsgerechter Ausbau der Ladeinfrastruktur
  • Entwicklung von positiven Anreizen zur Nutzung von Elektromobilität
Beschluss Nr. 0379 der Stadtverordnetenversammlung am 6.9.2018 "Sofortpaket für den Luftreinhalteplan zur Abwendung eines Dieselfahrverbots für die Landeshauptstadt Wiesbaden":
 
"Das Sofortpaket der Landeshauptstadt Wiesbaden zur Reduzierung der Luftschadstoffbelastung im Rahmen der 2. Fortschreibung des Luftreinhalteplanes für denBallungsraum Rhein-Main Teilplan Wiesbaden (Anlage 1) wird ohne die Maßnahme 0.2 Citybahn beschlossen und dem Land Hessen zur Aufnahme in den Luftreinhalteplan gemeldet.
 
Der Magistrat wird beauftragt, die im Sofortpaket genannten Maßnahmen zeitnah umzusetzen um ein Dieselfahrverbot abzuwenden. Zur Finanzierung der anfallenden Kosten sind Fördermittel des Bundes und des Landes in Anspruch zu nehmen."
 
Einzelmaßnahmen aus der Anlage 1:
 
Erhöhung des Anteils elektrischer Antriebe im Motorisierten Individualverkehr (MIV)
 
Bei sich weiter verstärkender Nachfrage nach Hybrid- und E-Fahrzeugen kann in einem Pro-Szenario von einem E-Pkw-Anteil von 1 % bis 2019 und 2 % bis 2020 ausgegangen werden. Die LHW möchte den Trend durch die folgenden Einzelmaßnahmen stärken. 
 
Elektrifizierung des städtischen Fuhrparks (Dezernate, Ämter, Ver- und Entsorgungsbetriebe)

61 Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb werden ab  2018 und bis 31.12.2019 durch E-Fahrzeuge ersetzt. Für die Maßnahme wurden Fördermittel des Bundes beantragt und im Juni 2018 gewährt.

Elektromobilitätskonzept der LHW für den Individualverkehr
 
Erhöhung des Anteils von Elektroautos und Plug-In-Hybriden durch den bedarfsgerechten Ausbau von Ladeinfraststruktur in Wiesbaden. Als Sofortmaßnahme plant die ESWE Versorgungs AG mit Fördermitteln des Landes bis Oktober 2018 im Stadtgebiet 20 Ladesäulen mit je 2 Ladepunkten. Unterstützt das Ziel eines Anteils von 2 % von Elektrofahrzeugen am Fahrzeugbestand durch erhöhte Sichtbarkeit von Ladeinfrastruktur.  Errichtung und Betrieb von 20 Ladesäulen durch die ESWE Versorgung AG bereits beschlossen von der StVV am 21.06.2018, Beschluss Nr. 0201.
 
Privilegierung von privaten E-Fahrzeugen beim Parken
 
Befreiung von E-Fahrzeugen von Parkgebühren, um Marktdurchdringung zu fördern. 
 
Ausweisung von gebührenfreien innerstädtischen Parkplätzen für Car-Sharing-Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb oder solche mit Brennstoffzellentechnik im öffentlichen Straßenraum in beachtlicher Zahl
 
Das EmoG (§ 3) lässt die Befreiung der E-Fahrzeuge von Parkgebühren an bewirtschafteten öffentlichen Stellen zu. Aktuell sind 100 Stellplätze für Car-Sharing-Fahrzeuge reserviert. Ziel bis 2020 ist es, zusätzlich 300 Stellplätze einzurichten und davon 150 für Elektrofahrzeuge vorzuhalten. Erfahrungsgemäß ersetzt ein Car-Sharing-Fahrzeug 8-20 Privatfahrzeuge. Dadurch Förderung des Markthochlaufs für E-Fahrzeuge.

E-Mobility-Hub
 
Beitrag zur zur Erhöhung des Anteils der Elektromobilität im MIV und ÖPNV durch einen innovativen Prototypen des E-Mobility-Hubs. Dieser kann bei Inbetriebnahme in 2020 einen der weltweit ersten elektrischen multimodalen Knotenpunkt darstellen, an dem an einem Standort gezielt die Bedarfe von elektrischen Fahrzeugkategorien wie E-Fahrrädern, E-Rollern, E-PKW, E-Lieferfahrzeugen/Vans/LKW und E-Busse mit elektrischen Dienstleistungen wie Shared-Economy-Angebote und sowohl elektrischem Wirtschaftsverkehr als auch Privatverkehr in größerem Maßstab gebündelt werden. 

Alle Bürgerinnen und Bürger, die planen ein E-Fahrzeug anzuschaffen oder bereits im Besitz eines E-Fahrzeuges sind sowie E-Carsharing-Nutzerinnen und Nutzer

Aktuell wird das Thema "Ausbauerfordernisse und Konstellationen für die zukünftige Bereitstellung von LIS (Ladeinfrastruktur) im öffentlichen Raum" bearbeitet. Das Elektromobilitätskonzept hat aufgezeigt, dass es einen hohen Bedarf an LIS gibt. Dieser wird teilweise durch halböffentliche Flächen und alternative Betreibermodelle gedeckt werden können. Allerdings wird im öffentlichen Raum, insbesondere im Markthochlauf, Ladeinfrastruktur notwendig sein. 

Die Ergebnisse der Workshops und Besprechungen befinden sich in der Auswertung. Die beteiligten Stellen prüfen zurzeit, welche Privilegierungen nach EmoG für E-Fahrzeuge in Wiesbaden verkehrstechnisch möglich und umsetzbar sind. Das Tiefbau- und Vermessungsamt hat einen Änderungsentwurf für die Satzung über die Gebühren für die Benutzung von Parkplätzen im öffentlichen Straßenraum der Landeshauptstadt Wiesbaden (Parkgebührenordnung) erarbeitet, der derzeit vom Rechtsamt geprüft wird. Die Satzungsänderung muss von der Stadtverordnentenversammlung beschlossen werden.

Bevorrechtigungen sind gemäß §3 Abs. 4 EmoG möglich für:

  1. das Parken auf öffentlichen Straßen oder Wegen (Parkbevorrechtigung) -> siehe Beschluss Nr. 0379 der Stadtverordnetenversammlung,
  2. die Nutzung von für besondere Zwecke bestimmten öffentlichen Straßen oder Wegen oder Teilen von diesen (Freigabe von Sonderspuren)
  3. das Zulassen von Ausnahmen von Zufahrtsbeschränkungen oder Durchfahrtverboten (Ausnahmen bei Durchfahrtsverboten)
  4. das Erheben von Gebühren für das Parken auf öffentlichen Straßen oder Wegen (Erlass von Parkgebühren) -> siehe Beschluss Nr. 0379 der Stadtverordnetenversammlung.

Der Projektabschluss ist für Anfang 2019 geplant.

Am 17.08.2018 fand im Tattersall ein Bürger- und Akteursworkshop im Rahmen des Elektromobilitätskonzeptes mit folgender Agenda statt:

  • Begrüßung durch Herrn Dezernenten Kowol, Echtzeit-Befragung (Mentimeter) zu Themen der Elektromobilität
  • Impulse Elektromobilität & Ladeinfrastrukturkonzept Wiesbaden
  • World Café mit fünf verschiedenen Thementischen (ein Tischwechsel):
1) Welche Rolle der Elektromobilität wünschen Sie sich?
2) Wie kann eine Akzeptanzsteigerung der Elektromobilität    vorangetrieben/gefördert werden?
3) Elektromobilität als Wirtschaftsfaktor
4) Welche Voraussetzungen muss die LH Wiesbaden treffen, um Elektromobilität voranzutreiben? / Was muss politisch durchgesetzt werden?
5) Problemstellung: Ladestationen in hochverdichteten Gebieten
  • Vorstellung der Ergebnisse
  • Abschließende offene Gesprächsrunde

Die Ergebnisse der World-Café Tische werden auf der Homepage www.wiesbaden.de/leben-in-wiesbaden/verkehr/elektromobilitaet/index.php zur Verfügung gestellt.

Fachlich:
Umweltamt
Dr. Christiane Döll
0611 31-3709
Laerm-und-Luft@wiesbaden.de

Kategorien

Welcher Stadtteil ist betroffen?
Art der Bürgerbeteiligung
erstmalig erschienen in

Weiterführende Links:

Sie möchten uns hierzu etwas mitteilen? (3)

Registrieren Sie sich, um hier Ihre Frage, Anregung oder Meinung mitzuteilen!

Andreas Lange

ID: 122 04.09.2018 10:26

Der 1:1 Ersatz von Individual-PKW mit Verbrennungsmotor durch Individual-PKW mit E-Antrieb löst nicht die Probleme des MIV in den Innenstädten, da der enorme Platzverbrauch des MIV (für parkende, stehende Fahrzeuge, für fahrende Fahrzeuge) dadurch nicht abnimmt. Durch die Vorhaltung von Ladebuchten nimmt der Platzbedarf bei Elektromobilität noch zu. Die Ineffizienz nimmt sogar noch zu, da bisherige PKW schon ca. 90% der Zeit parken, bei E-Mobilen wird das nicht besser. Der enorme Ressorcen-Verbrauch für die Produktion der Fahrzeuge nimmt tendenziell noch zu, durch knappe Rohstoffe für Elektromotoren und Batterien (Seltene Erden, Lithium).
Ich sehe die Elektromobilität nur als Möglichkeit, den ländlichen Raum zu erschließen, für den kein ÖPNV möglich ist. Für den urbanen Raum sind andere Lösungen (Fahrrad, Lastenrad, E-Bus, Straßenbahn) erforderlich.

 Antworten anzeigen

Juliane Rösler

Kommentar der Moderation
ID: 126 17.09.2018 16:43

Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Anregungen, zu denen ich Ihnen folgende Stellungnahme des Umweltamtes zukommen lassen kann:

Es herrscht unter Verkehrsplanern weitgehend Einigkeit, dass der 1:1-Ersatz wie von Ihnen beschrieben tatsächlich keine Lösung für die dringlichen Fragen im Verkehrssektor darstellt.

Glücklicherweise findet aktuell, u.a. verstärkt durch verstopfte Straßen, die Diskussion um den Klimawandel und die Luftschadstoffbelastung der Innenstädte, bereits vielfach ein Umdenken statt. Wir verzeichnen eine Zunahme des Anteils des Umweltverbundes. D.h. es wird mehr Fahrrad gefahren und der öffentliche Personennahverkehr verstärkt genutzt. Für zahlreiche, vor allem jüngere Stadtbewohner steht nicht länger der Besitz des eigenen Fahrzeugs sondern die Mobilität an sich im Vordergrund, abgedeckt durch verschiedene und im besten Fall miteinander vernetzte Verkehrsträger und -mittel. Auch das Carsharing und das Thema „autonomes Fahren“ können helfen, den Fahrzeugbestand in Städten mittelfristig spürbar zu senken. Es ist wünschenswert und wichtig, dass sich diese Trends weiter verstärken, ohne dass es dabei zu Rebound-Effekten kommt, also z.B. durch die einfache und günstige Verfügbarkeit von autonom fahrenden E-Shuttles die Anzahl motorisiert zurückgelegter innerstädtischer Wege langfristig weiter zunimmt. Kurz gesagt: Es sind intelligente Mobilitätskonzepte erforderlich, die auch die Möglichkeiten der Verkehrsvermeidung einbeziehen, wie auch ein Bewusstseinswandel für ein nachhaltiges und gesundheitsförderndes Verkehrsverhalten.

Die Elektromobilität bildet einen Baustein (unter anderen) für zukunftsfähige Verkehrslösungen – unseres Erachtens auch in der Stadt. Dabei soll der Platzbedarf bzw. die Konkurrenz um den öffentlichen Straßenraum keineswegs zunehmen. Öffentliche Stellplätze mit Ladepunkten werden tagsüber nicht ohne zeitliche Begrenzung zur Verfügung gestellt werden können, um eine hohe Auslastung der Ladeinfrastruktur sicherzustellen. Es ist weder beabsichtigt, für Elektrofahrzeuge zusätzliche Stellplätze einzurichten, noch wird für jedes E-Fahrzeug ein eigener Ladepunkt bereitgestellt werden können. Alternativen wie das Arbeitgeberladen müssen ebenso Berücksichtigung finden. Um auch die öffentliche Ladeinfrastruktur bestmöglich auszulasten, können beispielsweise Tarifmodelle entwickelten werden, die sich am Ladebedarf der Nutzerinnen und Nutzer orientieren und dabei größere Strommengen vergleichsweise günstiger abgeben.

Auch wenn der Elektromotor sehr energieeffizient arbeitet, ist es unbestritten, dass die Batterieproduktion für E-Fahrzeuge rohstoff- und energieintensiv ist. Solange der Anteil des motorisierten Individualverkehrs als auch die Art der Fahrzeuge unverändert bleiben oder sogar weiter wachsen, wird eine nachhaltige Entwicklung im Verkehrssektor nicht wirksam eingeleitet werden können. Es ist aber davon auszugehen, dass die technologische Entwicklung weiter voranschreitet. So dürfte sich die Effizienz der Batterien erhöhen und der Rohstoffeinsatz reduzieren. Es sind bereits heute E-Fahrzeuge verfügbar, deren E-Motoren keine Seltenen Erden mehr benötigen. Auch ist zu erwarten, dass für Materialien wie Lithium oder Seltene Erden vergleichbare Recyclingkreisläufe entstehen, wie sie schon für Kobalt und Nickel erprobt sind, sobald die Elektromobilität höhere Marktanteile erreicht.

Das Land Hessen hat im Rahmen der Kampagne „Strom bewegt“ zu zahlreichen Punkten, die auch Sie ansprechen, unter dem Titel „Fragen an die Elektromobilität“ eine informative Broschüre zusammengestellt, die unter https://www.strom-bewegt.de/Print zum Download bereit steht.